Trimmen allgemein

Ziel: Großsegel und Genua verlaufen parallel und harmonisch zueinander!

Merke:
Senkrechte Falte im Vorliek = Fall zu hart durchgesetzt!
Schräge Falten im Segel = Fall zu gering durchgesetzt!

Anhaltspunkte zum Trimmen von Top-getakelten Schiffen

AmwindkursWind 1-2Wind 3-4Wind 5-7
Großsegel
VorliekLösenDurchsetzenMax. durchsetzen
UnterliekLösenDurchsetzenMax. durchsetzen
AchterliekOffenFast geschlossenFast dicht
SchotenLoseDichtMax. dicht
BaumniederholerLoseFast loseEtwas dicht
TravellerNach LuvMittschiffsNach Lee
Vorsegel
VorliekLoseDurchsetzenMax. durchsetzen
SchotenLoseDichtMax. dicht
HolepunktNach vornNormalAchtern
RaumschotkursWind 1-2Wind 3-4Wind 5-7
Großsegel
VorliekMax. lösenMax. lösenLösen
UnterliekMax. lösenMax. lösenLösen
AchterliekGeschlossenFast geschlossenEtwas geöffnet
BaumniederholerLeicht dichtDichtMax. dicht
TravellerUnwichtigNach LeeNach Lee
Vorsegel
VorliekMax. lösenMax. lösenLösen
HolepunktVornVornVorn

Trimmen

Trimmen des Vorsegels

Für den Trimm des Vorsegels stehen weniger Werkzeuge zur Verfügung als für den des Groß.

In einer Sluptakelung ist das Vorsegel das Zugpferd, ohne das man gerade am Wind nur schlecht von der Stelle käme.

Damit ein Segel das Boot in Fahrt bringen kann, muß es zunächst in Form und Anstellwinkel auf den herrschenden Wind eingestellt werden. Am Segel wird aber nicht nur der Auftrieb erzeugt, der mit Hilfe von Kiel und Ruder in Vortrieb verwandelt, das Schiff am Wind segeln läßt, sondern auch Widerstand.

Um in etwa in die Richtung zu fahren, aus der es bläst, gilt es deshalb, ein möglichst günstiges Verhältnis von Auftrieb zu Widerstand zu erreichen. Während der Widerstand kontinuierlich nit dem Anstellwinkel wächst, nimmt Auftrieb nur so lange zu, wie die Luftströmung am Segel anliegt. Der größte Auftrieb wird erzeugt, wenn die Luftströmung in Luv und Lee des Vorsegels anliegt.

Durch Holen der Schot wird der Anstellwinkel so lange vergrößert, bis die Strömung an beiden Seiten des Segels ungestört vorbeifließt. Fiert man jetzt die Schot, um den Anstellwinkel zu verkleinern, wird die Strömung zuerst in Luv abreißen. Wenn dies gerade eben geschieht, ist das günstigste Verhältnis von Auftrieb zu Widerstand errreicht.

Um den richtigen Trimm des Segels zu kontrollieren, wird oft empfohlen, hinter dem Vorliek Windfäden anzubringen. Solche Fäden sind auch tatsächlich die einfachste Möglichkeit, die Strömungsverhältnisse am Segel anzuzeigen. Wehen sie in Luv und Lee gleichmäßig und ruhig nach achtern aus, liegt die Strömung an. Ist der Anstellwinkel zu klein, die Schot also zu weit gefiert, wird der Luv-Faden anfangen zu flattern, weil in Luv die Strömung abreißt, während sie in Lee weiter anliegt.

Holt man die Schot zu dicht, ist also der Anstellwinkel zu groß, wird die Strömung zunächst in Lee abreißen, der dort befindliche Faden beginnt an zu tanzen.

Optimal segelt man, wenn der Leefaden anliegt und der Luvfaden von Zeit zu Zeit anfängt zu flattern oder anfängt nach oben zu steigen.

Nicht nur der richtige Anströmwinkel ist wichtig, damit das Vorsegel gut arbeitet, sondern auch dessen Form.

Man stellt sie über die Spannung der Schot, des Falls, falls vorhanden der Backstagen ein. Darüber hinaus ist die Lage des Holepunktes wichtig, der die Zugrichtung der Schot festlegt.

Grundsätzlich entwickelt ein Segel mit bauchigem Profil mehr Auftrieb als ein flaches. Leider erzeugt der Bauch aber auch Widerstand, so daß man sich beim Trimm des Profiles möglichst an ein günstiges Verhältnis von Auftrieb und Widerstand herantasten muß.

Neben den Trimmfäden ist auch der Kränkungsgrad ein guter Indikator für korrekten Trimm: Ist beispielsweise bei frischem Wind oder starkem Wind der Anstellwinkel des Vorsegels richtig eingestellt, wird man das Segel flacher trimmen, um das Schiff aufrechter zu segeln.

Ein nach vorn geschobener Holepunkt läßt das Schot steil nach unten ziehen; so wird sich das Achterliek schließen. Setzt man dagegen den Holepunkt nach achtern, greift die Schot in einem flacheren Winkel an; das Achterliek öffnet sich, während das Unterliek gespannt wird.

Vibriert das Achterliek, liegt der Holepunkt zu weit achtern, ist das Unterliek unruhig, zu weit vorn.

Der richtige Holepunkt der Genua / Fock

Oft sieht man bei Fahrtenseglern und Jollen, dass der obere Teil der Genua killt. Das kann erwünscht sein (im Falle von zu viel Wind zum Beispiel), aber der Regelfall ist es nicht.

Geschwindigkeitsverlust ist die Folge.

Wie stelle ich nun die Genua / Fock für alle Kurse sauber ein?

  • Stelle zunächst die Genua / Fock roh auf dem beabsichtigten Kurs (Am Wind, Halbwind, Raum, etc.) ein, sodass sie nicht killt - im oberen Bereich.
  • Nun folgt die Feineinstellung: Steuere Dein Schiff nun langsam in den Wind und beobachte die inneren Fäden (die Du hoffentlich angebracht hast), genau.
  • Fallen die oberen zuerst ein und werden unruhig: Holepunkt nach nach vorne!
  • Fallen die unteren zuerst ein: Holepunkt nach hinten
  • Wichtig: Markiere diese Einstellungen, so dass Du sie später schnell wiederfinden kannst !

Die richtige Einstellung des Großsegels

Oft (fast immer) sieht man bei Fahrtenseglern und Jollen, dass das Großsegel zu dicht gefahren wird. Das bringt unnötige Kränkung und damit einen erheblichen

Geschwindigkeitsverlust.

Wie stelle ich nun das Großsegel für alle Kurse sauber ein?

  • Stelle zunächst die Genua / Fock auf dem beabsichtigten Kurs - wie oben beschrieben - ein.
  • Nun folgt die Einstellung des Großsegels:
  • Setzte das Vorliek gerade soweit durch, das die Querfalten entlang des Mastes gerade verschwinden.
  • Nimm das Segel solange dicht bis der Gegenbauch, durch die Fock verursacht, verschwindet.
  • Jetzt hast du schon des Guten zu viel getan, fiere ein wenig, sodass du einen kleinen Gegenbauch hinter dem Mast erreichst.
  • Je nach Wind verändere die Spannung des Baumniederholers, nach der Regel mehr Wind, mehr Baumniederholer - weniger Wind, weniger Baumniederholer.
  • Kannst du dein Schiff bei mehr Wind nicht mehr aufrecht segeln, benütze den Traveler und fiere diesen soweit, dass du wieder aufrecht segelst. Bei Jollen mit Trapez natürlich erst, wenn dein Vorschoter gestreckt am Seil hängt.
  • Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen wo du dir Gedanken über ein weiteres Trimmmittel, die Cunningham, machen solltest. Etwas mehr Cunninghamspannung macht das Großsegel flacher und du nimmst Power aus dem Segel.
  • Ist das durch diese Maßnahme nicht mehr möglich, fiere die Großschot und fahre einen größeren Gegenbauch.
  • Erst anschließend solltest du auch die Genua oder Fock fieren.
  • Ein entscheidendes Trimmmittel ist der Unterliekstrecker, der äußerst einfach zu bedienen ist: Wenig Wind, nur leicht angezogen (es können sogar noch leichte Falten stehenbleiben) mit zunehmenden Wind wird das Unterliek wieder weiter durchgesetzt. (Kann allerdings etwas schwierig werden, da ein erheblicher Druck auf das Liek wirkt).

Auf reinen Vorwindkursen gilt allerdings: Das Großsegel bis fast an die Want öffnen und die Genua auf der anderen Seite setzen (Schmetterling) oder den Spi setzen.

Ein kleiner Tipp aus der Trickkiste:
Fahre bei böigem Wind viel mit dem Traveler, dadurch beschleunigt dein Schiff wesentlich besser und du gewinnst sicher in jeder Böe einige entscheidende Meter.